Klinikclowns mit Fenstervisite

Rein dürfen sie nicht. Trotzdem wollen die Dr. Clowns „Charlotta“ und „Lollo“ den Patienten des Klinikums Lippe in Detmold ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ihre Alternative: eine Fenstervisite. An diesem sonnigen Vormittag hat „Charlotta“ ihre Schultern mit einem gelben und roten Luftballon in Herzform verziert, sie springt herum, als würden ihr die Ballons Flügel verleihen. Nebenan jongliert „Lollo“ mit bunten Tüchern, Holzreifen und lässt riesige Seifenblasen in Richtung der Krankenzimmer schweben und schickt Küsschen hinterher. Hinter der Glasfront pressen kleine und große Patienten im Bademantel ihre Nasen gegen die Fenster und winken. Hinter anderen Scheiben herrscht normaler Klinikalltag – Menschen liegen im Bett während ihnen Blut abgezapft oder die Lunge abgehört wird und einige sitzen im Schlafanzug an der Bettkante, beißen in ihr Brötchen und schlürfen aus der Kaffeetasse – sie haben keine Zeit oder Lust auf die improvisierten Spaßeinlagen.

„Überhaupt kein Problem, wir wollen den Patienten zeigen: Wir sind für euch da“, betonen die Dr. Clowns. Jeden Donnerstag setzen sich die Theaterpädagogen Katja Kemnade und Dirk Wittke eine rote Nase auf und werden zu „Charlotta“ und „Lollo“. Das Duo und zehn weitere Klinikclowns treten täglich in und vor Krankenhäusern, Seniorenresidenzen und Hospizen in ganz OWL auf, wo Freude und Lachen, auch vor Corona, oft wenig Platz hatten: „Es ist ja ein von Krankheit, Einsamkeit und auch Langeweile geprägter Ort. Wir haben den Fokus jedoch auf der Lebensfreude“, betont Wittke. Clown sein bedeute auch: „Im Moment sein. Den Blick, trotz der Widrigkeiten, auf das Schöne legen.“ Als „Lollo“ möchte der 60-Jährige einfach ein bisschen zaubern, die Kranken in den Mittelpunkt stellen, einen Moment des Vergessens schaffen und den Menschen statt Medikamenten eine Portion Humor verabreichen.Seit 18 Jahren besuchen die Dr. Clowns kranke Menschen im Detmolder Klinikum. Auch und gerade in Zeiten von Corona wollen sie sich nicht davon abhalten lassen, weiterhin Spaß und Freude in die Einrichtungen zu bringen. Denn Humor, Heiterkeit und Zuwendung sind gerade jetzt, so die Meinung der Spaßmacher, für kranke und pflegebedürftige Menschen zweifellos „systemrelevant“, damit Einsamkeit und Ängste nicht zu viel Raum gewinnen.

Keine Chance der Einsamkeit

Das Duo hat großes Verständnis für die strengen Besucherregeln: „Natürlich, die Bekämpfung des Virus hat absolute Priorität. Da wir verschiedene Stationen besuchen, ist die Gefahr zu groß, dass wir das Virus von A nach B bringen.“ Trotzdem ist das gerade eine Zeit, in der wir eigentlich mehr denn je gebraucht werden, fügt Kemnade hinzu. Denn auch kranke Menschen wollten lachen. Das sei ein ganz natürlicher Instinkt.Die Auftritte der beiden freiberuflichen Theaterpädagogen finanziert der Verein „Cultur-Tupfer“ am Detmolder Klinikum, der wiederum auf Spenden angewiesen ist. „Clowns bringen die Leute nicht nur zum Lachen, sie lösen auch Spannungen“, weiß Ewald Gancer, der den Verein 1988 gründete und auch den Vorsitz inne hat. „Im Augenblick scheint es, als sei das ganze Land, die ganze Welt angespannt. Daher, glaube ich, sollte jeder seinen eigenen Clown haben, um sich wenigstens für einen kurzen Moment zu entspannen“, fügt der 67-Jährige hinzu, der jahrelang als Pflegegruppenleiter im Klinikum tätig war. Das Ziel bleibe weiterhin, ein Lachen in die Gesichter der Kranken und Pflegebedürftigen zu zaubern – selbst, wenn es nur durchs Fenster zu sehen sei.

Begeistert von den Dr. Clowns ist Jutta, die gerade ihre Mutter im Klinikum besuchen durfte. „Ich finde die Auftritte einfach wunderbar und meine Mutter auch“, sagt die Detmolderin. Sie habe sich mit der 85-Jährigen ans Fenster gestellt und die Flugbahnen der großen Seifenblasen beobachtet. „Da kamen Erinnerungen an meine Kindheit auf, weil wir immer Seifenblasen-Figurenraten im Garten gespielt haben. Das war ein schöner, inniger Moment und auch mal was anderes für die Patienten, die derzeit aufgrund der strengen Besucherregelung wirklich allein sind“, sagt Jutta.

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