Kaffee und Kuchen ist alle

Hinter der verschlossenen Tür hängen weiße Stoffbahnen und braune Papierrollen an den Fensterscheiben dienen als Sichtschutz – die Mitarbeiter des Café Elbing in der Detmolder Innenstadt servieren den Kunden nach 137 Jahren keinen Kaffee und Kuchen mehr. Wann und ob das älteste Café der Stadt in dem denkmalgeschützten Bau wieder öffnet, steht in den Sternen, sagt Albrecht Lüking, Eigentümer der Immobilie. Seine Pächterin habe nach knapp vier Jahren aufgegeben. „Sie hat zum 1. Januar dieses Jahres gekündigt, da sie aufgrund der Coronauswirkungen keine wirtschaftliche Zukunft mehr gesehen hat“, bedauert der Immobilienbesitzer. Die Pächterin hat sich, trotz mehrfacher Anfragen, nicht gemeldet. Albrecht Lüking will das Gebäude, das laut Baudenkmal-Tafel zwischen 1708 und 1724 erbaut wurde, als Café fortführen und die vorhandene Backstube reaktivieren, um den Kunden frische Backwaren und leckere Kuchenkreationen anzubieten. „Dies ist mein Wunsch, doch wenn Interessenten andere Ideen haben, lasse ich mich gerne überzeugen“, sagt der 83-jährige Bauingenieur aus Bielefeld.

Das traditionsreiche Café in der Stadt hat geschlossen.

Doch derzeit hielten sich mögliche Pächterinnen und Pächter eher bedeckt und warteten die Pandemie-Entwicklungen ab. Verkaufen wolle er die Immobilie, die seit 1982 in seinem Besitz ist, auf keinen Fall. „Dieses Haus ist einmalig in der Stadt und mir ans Herz gewachsen“, so Lüking. Er hoffe, dass diese Seuche endlich besiegt werde, bevor es weitere wirtschaftliche Existenzen zerstöre. Diesem Wunsch schließt sich Holger Lemke, Präsident der Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Lippe an. Doch der 53-Jährige Koch, der das Restaurant „Windmühle“ seit mehr als zehn Jahren mit seiner Frau Birgit betreibt, ist skeptisch und prophezeit, dass das Aus fürs Café Elbling nicht die letzte Geschäftsaufgabe in der lippischen Gastronomie sein wird. „Das liegt auch daran, dass wir immer noch auf die versprochenen Hilfen der Bundesregierung, die eigentlich schon im vergangenen Jahr fließen sollten, warten“, sagt Lemke. Viele seiner Kolleginnen und Kollegen bangten um ihre Existenzen. „Irgendwann sind die Rücklagen aufgebraucht und auch viele Mitarbeiter, die entlassen oder in Kurzarbeit geschickt worden sind, suchen sich neue Jobs, um ihre Familie zu ernähren“, meint Lemke. Er rechne mit einer Öffnung seines Restaurants frühestens an Ostern – doch dann auch nur mit einer Platzkapazität von 60 bis 65 Prozent.

Alle Fenster und der Eingangsbereich sind zugehängt.

„Ich denke, dass die Hygiene- und Abstandsregeln auf jeden Fall übers Jahr bleiben werden“, so Lemke. Ideen aus der Branche, dass bereits Geimpfte die Cafés und Restaurants besuchen dürfen sollen, lehnt der Dehoga-Präsident ab: „Dies kann gar nicht überprüft werden und zudem gibt keine Impfpflicht in Deutschland. Diese Idee ist völliger Unfug.“ Eine solche Sonderregelung führe automatisch zu Spaltungen in der Gesellschaft.

Belohnung für Geimpfte diskutieren

Dies sehen nicht alle seine Kollegen so: „Warum soll man eine Impfung, die nicht nur dem Geimpften, sondern auch der Gesellschaft hilft, nicht belohnen. Wir können uns doch nicht in Geiselhaft der Impfgegner begeben“, sagt ein Gastrom, der seinen Namen nicht nennen möchte. Er habe sich mit Freunden aus Israel unterhalten und gelesen, dass die dortige Regierung einen ganzen Katalog an Vorteilen für Menschen, die sich impften, diskutiere. Wer dort die Impfung bekommen habe, solle bald Restaurants, Cafés, Kinos, Museen und Konzerte besuchen dürfen. Und wie soll das kontrolliert werden? „Mit einer App, die als eine Art digitaler Immunitätsausweis dienen soll“, sagt der Gastronom. Man könne diese Idee doch wenigstens mal in Deutschland kontrovers diskutieren, anstatt immer wieder Verbote zu beschließen, die die Menschen frustrierten und in Existenzängste stürzten.
Fotos: Bernhard Preuss

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