Internet-Abzocke mit Bitcoins

Was haben Thomas Gottschalk, Lena Meyer-Landrut, Klaas Heufer-Umlauf, Robert Geiss, Yvonne Catterfeld, Dieter Bohlen und ich gemeinsam? Nix – doch wir alle sind Teil einer Internet-Abzocke mit gefälschter Werbung. Die Promiköpfe und mein Name werden für Online-Geschäfte dubioser Firmen missbraucht, die ans Geld gutgläubiger Kunden wollen. Mit gefakten Nachrichten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Wer drauf reinfällt, zahlt – statt zu verdienen.

Das Muster ist immer ähnlich: Internetnutzern wird im Browser eine Werbung für einen angeblichen Medienbericht angezeigt. Klicken sie auf die Anzeige, landen sie auf einem Text, der beschreibt, wie eine prominente Person ganz schnell ganz viel Geld verdient hat. Damit wollen Betrüger Menschen überzeugen, ebenfalls zu investieren – und das eingezahlte Geld behalten. Oft geht es dabei um Investitionen in Kryptowährungen, über die wegen zwischenzeitlich großer Wertsteigerungen in den vergangenen Wochen viel berichtet wurde und über die viele Konsumentinnen und Konsumenten oft wenig wissen.

Prominente Köder

Vergangene Woche hat der Wert der Kryptowährung Bitcoin die Marke von 40.000 Dollar übersprungen, um dann auf fast 30.000 Dollar abzustürzen und die 40.000-Marke wieder zu erklimmen. Immer wieder erhalte ich Mails – gestern alleine 35 und in den vergangenen Wochen und Monaten schon mehr als 700 – von Menschen, die mich nach der „Gelddruckmaschine Bitcoin-System“ fragen und Tipps wollen, um ihr Vermögen zu vermehren. Die Schreiber beziehen sich dabei auf Artikel im Internet, in denen ein Erol Kamisli über wundersame Geldvermehrungen berichtet – diese Person bin ich NICHT! Und nach meinen Recherchen gibt es diesen Typen auch nicht. Wer hinter dem Betrug steckt, ist unklar. Sowohl Medien als auch Ermittlungsbehörden haben versucht, nachzuvollziehen, wo die entsprechenden Websites registriert wurden. Die Fährten führen nach Panama, Kolumbien und in die USA. Nochmal: „Ich habe mit den Zeilen nichts zu tun und da werden Tatsachen behauptet, mit denen ich nicht das Geringste zu tun habe und die ich für verbrecherisch halte.“

Robert Geiss und Klaas Heufer-Umlauf wissen nicht davon, dass sie für Bitcoins werben. Quelle: Screenshot

Die Masche läuft immer gleich ab – der erste Schritt ist der Köder: Es wird eine vermeintliche Werbeanzeige mit einem Promi etwa bei Facebook oder einem E-Mailportal geschaltet. Die Artikel und Posts sehen auf den ersten Blick aus, als wären sie von bekannten Medienmarken wie RTL, BILD, ARD, SPIEGEL oder ZDF. Das Ganze ist allerdings gar kein echter Artikel, sondern eine als Nachricht getarnte Werbe-Anzeige. Dafür werden komplette Interviews mit Promis erfunden, oder der Autor erweckt den Anschein, er hätte die Bitcoin-Plattform einem Praxistext unterzogen – natürlich mit fantastischen Ergebnissen. Auch ich soll so nebenbei auf der Plattform „Bitcoin Era“ eine kleines Vermögen verdient haben – alles Lüge. Der Artikel wiederum verlinkt das Produkt. Klickt der User dann auf den Link, landet er beispielsweise bei einer angeblichen Finanzplattform. Hier soll der User nun mal seine Daten hinterlegen und Geld überweisen – im Glauben reich zu werden. Doch häufig sind Daten und Kohle weg.

Auch die Verbraucherzentralen NRW und Hessen warnen. Der Höhenflug des Bitcoin habe einen wahren Hype um Kryptowährungen ausgelöst. Neben seriösen Anbietern seien aber auch zahlreiche schwarze Schafe am Start, die die Goldgräber-Stimmung ausnutzen wollten. „Dubiose Unternehmen und Privatpersonen präsentieren sich in Facebook-Gruppen, auf Instagram und in Messenger-Diensten oder kontaktieren Verbraucher unaufgefordert per E-Mail“, so die Verbraucherschützer. Die Betrüger versicherten finanzielle Freiheit, hohe Rendite oder dauerhaftes passives Einkommen durch Investitionen in neue, angeblich zukunftsweisende Kryptowährungen. Dabei seien die Angebote oft völlig intransparent, die Geschäftsmodelle unverständlich. Oftmals fehle auf den Webseiten das Anbieter-Impressum gänzlich oder die Anbieter hätten ihren Sitz im Ausland – gerne auch auf karibischen Inselstaaten. „Wenn Verbraucher über diese Distanz versuchen müssen, ihr Recht durchzusetzen, haben sie im Zweifelsfall hohe Kosten und schlechte Karten“, so die Verbraucherschützer.

Aber auch bei vermutlich seriösen Angeboten, Bitcoins können an bestimmten Börsen erworben werden, sollten Verbraucher äußerst vorsichtig sein. „Kryptowährungen unterliegen hohen Kursschwankungen. Ein Totalverlust ist nicht auszuschließen“, so die Finanzexperten der Verbraucherzentralen. Geldanlagen ohne Risiko und Aufwand, dafür mit enormen Gewinnen in kurzer Zeit gebe es schlicht nicht.

Der falsche Erol Kamisli samt Familie. Quelle: Screenshot

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