Schneelust gegen Coronafrust

Kinder stapfen in dicken Stiefeln und bunten Jacken durch den tiefen Schnee. Sie ziehen ihre Schlitten mit lachenden Gesichtern am Seil hinter sich her, um Sekunden später auf dem Untersatz einen der schneebedeckten Hügel im Detmolder Palaisgarten hinterzuflitzen. Ihr lautes Freundengeschrei übertönt an diesen Sonntagmittag sogar die Klaviermusik, die aus den Räumen der benachbarten Hochschule für Musik dringt. Zwischen den Schlitten liefern sich Hunde eine Rennen, die in wetterfesten Vierbeinerjacken in der weißen Pracht toben, und vor Aufregung und Freude ihre „gelben Spuren“ im Schnee hinterlassen. Einige ganz Mutige haben sich die Langlaufskier unter die Schuhe geklemmt und drehen ihren Runden im schneebedeckten Park in der Stadtmitte.

Auch die frostigen Minus acht Grad, der eisige Wind samt Dauerschneefall können die Freude der vielen Schneefans nicht trüben. „Schneelust gegen Coronafrust“, so beschreibt es Annika Schröder, die mit Ehemann Horst und den beiden Kindern Claas und Malin die „Schlittenabfahrten“ genießt.

„Ich finde den Schnee ja auch ganz toll, aber die Leute sollten vor lauter Begeisterung nicht die Coronaschutzmaßnahmen vergessen“, mahnt Hildegard Müller (55), die auf die zahlreichen Eltern ohne Maske aufmerksam macht. Einfach wunderbar, sagt Dominik Watermann, der sich mit Sohn Ben auf den Schlitten setzt und den Hügel hinunterrast. Unter angekommen, strahlen beiden mit roten Wangen bis über beide Ohren. „Nochmal, Papa“, sagt der fünfjährige Ben und zieht an der Hand seines Vaters. Ich begleite die beiden wieder nach oben. „Das Wetter ist für uns wunderbar, aber der Räumdienste sind anscheinend etwas überfordert“, sagt der 32-jährige Familienvater. Die Fußgänger könnten fast gar nicht mehr zwischen Bürgersteig und Straße unterscheiden, weil der ganze Schnee sich auftürme und auch die Autos parkten teilweise kreuz und quer. „Ein Freund von mir hat ein Restaurant, die derzeit wegen Corona vom Lieferdienst leben, doch sie mussten wegen der Wetterverhältnisse die Auslieferungen heute erst einmal aussetzen. Die haben wirklich Pech“, fügt Dominik hinzu, setzt sich die Maske auf und rast mit Sohn Ben den Hügel runter.

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