Ärger um nicht abgeholte Gelbe Säcke in der Fußgängerzone

Ruth Mauthel* ist sauer – auf Corona schon länger und aktuell auf die fast unendlich scheinenden Schneemaßen, sagt die Detmolderin, die gerade die Fenster ihrer Innenstadtwohnung geöffnet hat, um zu lüften. „Virus und Schnee haben sich wie Wächter vor meiner Tür postiert, nerven mich und wollen mich nicht raus lassen“, scherzt die 63-Jährige. Beim Blick aus dem Fenster droht schon der nächste imaginäre Türsteher – große Hügel aus Gelben Müllsäcken in ihrer direkten Nachbarschaft an der Langen Straße, die unter der weißen Pracht hervorlugen. „Die stapeln sich hier seit vergangener Woche und sollten schon längst abgeholt werden. Dieser riesige Müllberg vor der Haustür verdirbt allen Anwohnern die Laune“, sagt Mauthel. Doch dies wird sich beim nächsten Unwetter wiederholen, denn 700 Haushalte plus Gewerbetreibende in der Innenstadt werden auch künftig Gelbe Säcke nutzen. Für das gegenwärtige Abholproblem soll es eine Lösung geben, aber keine Mülleinsammel-Extratouren.

Eingeschneiter Müllberg an der Langen Straße – wer entsorgt die Gelben Säcke?

Das für die Abfuhr zuständige Unternehmen „Remondis“ hatte die Sammeltour, die für den 8. Februar terminiert war, aufgrund der Witterungsbedingungen abgesagt und will die Gelben Säcke nun erst am Montag, 8. März, abholen. „Ich kann ja verstehen, dass die Abholung aufgrund des Schneefalls ausfällt, aber ich kann nicht verstehen, dass das Unternehmen erst wieder in vier Wochen kommt“, erklärt Mauthel. Der Schnee werde bald tauen und dann sei die Innenstadt in Teilen voller Plastikmüll, fliegender Müllsäcke und Gestank. „Das geht doch nicht, dann kommt niemand mehr in die Fußgängerzone“, fügt die 63-jährige Musiklehrerin hinzu.
Auf Anfrage teilt die Stadt mit, dass „Remondis“ bei diesem Thema in der Pflicht sei und nach Unternehmensinformationen würden die Gelbe Säcke erst im März abgeholt. Im schlimmsten Fall müssten die Müllerzeuger ihre Säcke wieder in den Häuser, Abstellkammern oder Garagen unterstellen und auf den Abholtermin warten. „Das ist doch ein Witz, sollen dann plötzlich alle Haushalte und Gewerbetreibende, die noch geöffnet haben, aus diesen gefroren Müllbergen ihre Tüten heraussuchen und nach Hause schleppen? Dies ist doch völlig unrealistisch, niemand wird den Müll wieder mitnehmen“, glaubt Ruth Mauthel.

Weitere verwaiste Gelbe Säcke in der Detmolder Fußgängerzone.

Torsten Grote, Niederlassungsleiter von „Remondis“ in Dörentrup, betont, dass es keine „Mitarbeiter-Sondereinsätze“ geben wird, um die Säcke einzusammeln. In der Detmolder Innenstadt nutzten immer noch 700 Haushalte plus Gewerbetreibende die Gelben Säcke. „Ich kann es nicht nachvollziehen, aber dies war der Wunsch der Stadt, weil es in diesem Bereich keine Stellmöglichkeiten für gelbe Tonnen geben soll“, sagt Grote. Die Belieferung des restlichen Stadtgebiets mit Gelben Tonnen sei gerade am heutigen Donnerstag abgeschlossen worden.
Nach unbestätigten Informationen bahnt sich in der Causa „Gelber Sack“ eine Zwischenlösung an. Die Stadt Detmold und „Remondis“ sollen sich darauf geeignet haben, dass Bürgerinnen und Bürger, die noch Gelbe Säcke nutzen, ihren verpackten Kunststoffmüll an einem zentralen Ort abgeben dürfen, damit die verschneiten Müllberge nicht weiter wachsen. „Das ist ein gute Idee, aber auch die Müllberge in der Stadt müssen weg, niemand wohnt oder verkauft seine Waren gerne in direkter Nachbarschaft von gelben Müllbergen, oder?“, fragt Musiklehrerin Mauthel. Auf diese Frage gibt’s keine Antworten von Stadt und „Remondis“.
*Name geändert
Fotos: Bernhard Preuss

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