Disko-Schläger wird verurteilt und verrät Namen des Mittäters

Morgens um vier Uhr eskalierte die Stimmung im Detmolder „Hermann’s Club“ – der Diskobesuch im August 2017 endete für einen heute 31-jährigen TÜV-Mitarbeiter, der damals in Barntrup lebte, mit einer Notoperation im Klinikum. Die Mediziner setzten ihm sieben Titanplatten in den Schädel und retteten damit sein Leben. Stunden zuvor hatten ihm zwei Gäste, aus bisher aus unerfindlichen Gründen, brutal ins Gesicht getreten und geschlagen – darunter der Angeklagte aus Detmold, der dem Boden liegenden 31-Jährigen einen Faustschlag verpasste. Vor dem Detmolder Amtsgericht wurde einer der Schläger wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Vor Prozessbeginn hatte der Detmolder dem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.500 Euro gezahlt, den Namen des zweiten mutmaßlichen Täters genannt und sich mehrfach, auch heute vor Gericht, entschuldigt. Der geständige und einschlägig vorbestrafte Täter konnte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Als Richter Martin van Sand den 31-jährigen Angeklagten nach dem Grund für die brutalen Attacke fragte, zuckte dieser mit gesenktem Blick nur mit den Schultern. „Ich weiß es nicht, ich habe ihm einen Faustschlag verpasst, weil er Stress mit meinem Kumpel hatte.“ Er habe beobachtet, dass sein Freund und Mittäter zuvor mit dem angetrunkenen Opfer gestritten habe, kurz drauf habe der Barntruper auf der Tanzfläche gelegen. „Als er aufstehen wollte, hat ihn mein Freund ins Gesicht getreten. Er wollte noch weiter zutreten, doch ich habe ihn wegzogen und dann sind wir abgehauen“, erinnerte er sich. Zeugen erkannten den Angeklagten auf Fotos, die ihnen die Polizei vorlegte, vom Mittäter fehlte bisher jede Spur. Doch der Detmolder nannte den Namen des Horn-Bad Meinbergers, der nun mit einer Anklage rechnen muss.

Die Titanplatten sind immer noch im Schädel

„Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich dachte jemand schlägt mit einem Backstein ins Gesicht und bin dann wieder im Krankenhaus aufgewacht“, sagte das Opfer im Zeugenstand, der schwerste Verletzung im Gesicht, Kopf und Kieferbereich erlitt. Die Titanplatten habe er immer noch im Schädel und die Narben an seiner Stirn würden ihn ein Leben lang an diesen brutalen Übergriff erinnern. Doch er nehme die Entschuldigung des Angeklagten an und sei froh, dass er den Namen des Mittäters genannt habe, obwohl dies bedeute, dass er in einigen Wochen wieder vor Gericht erscheinen müsse.
Der Prozess gegen den Schläger sollte bereits 2018 stattfinden, doch der Detmolder erschien nicht zum Termin. Er wurde mit Haftbefehl gesucht, Anfang des Jahres verhaftet und saß seit dem wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Erst die Detektivarbeit des Nebenkläger und seines Anwalts Helmut Levin-Schröder, die in den sozialen Medien nach dem Angeklagten suchten, brachte die Ermittler seine Spur. „Ich bin nicht untergetaucht, sondern wohne jetzt bei meiner Freundin und wir erwarten unser erstes Kind“, sagte der Angeklagte. Er habe nur vergessen sich ummelden.
In seiner Urteilsbegründung bezeichnete Richter Martin van der Sand die Tat des Angeklagten als „feige und unerklärlich“. Das Urteil sei nicht zu milde, denn nach dem Vergehen habe der 31-Jährige vieles richtig gemacht. „Sie haben gestanden, sich entschuldigt, Schmerzensgeld bezahlt, den Namen des Mittäters genannt und sind seit knapp vier Jahren straffrei“, sagte van der Sand.
Fotos: Bernhard Preuss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: