Das Modehaus „Wiese“ ist Geschichte

Die schwarzen Riesenaufkleber mit weißer Aufschrift „das macht SINN Detmold“ sind wie mit dem Lineal gezogen, der Eingangsbereich mit gold-schwarzen Luftballons verziert und in den Schaufenstern des Hansahauses in der Detmolder Innenstadt hängen Neueröffnungs-Plakate. Überklebt ist der alte Schriftzug „Wiese Modewelt“ – damit ist das Traditionshaus in der Fußgängerzone Geschichte – „Wiese“ heißt jetzt „Sinn“. Fast 100 Jahre war das Detmolder Bekleidungsgeschäft ein fester und geschätzter Magnet in der Langen Straße.

Busso Freise.

„Natürlich bin ich sehr glücklich, dass es dort weitergeht. Die Detmolder können sich auf die Qualität der Produkte und der Mitarbeiter verlassen“, sagt Busso Freise, der das Modehaus 38 Jahre bis 2010 leitete. Der 79-Jährige, der gemeinsam mit Ehefrau Angela, gebürtige Wiese und Eigentümerin der Immobilie, die Entwicklungen des Bekleidungsgeschäfts sowie der Detmolder Innenstadt sehr genau beobachtet, findet die Namensänderung richtig und wichtig. „Alle Sinn-Filialen in der gesamten Bundesrepublik brauchen ein einheitliches Werbe-, Marketing- und Vertriebskonzept. Der Name Wiese hat jetzt einen Platz in den Detmolder Geschichtsbüchern“, erklärt Freise.

Nach der Insolvenz des Ex-Mieters, der Bottroper Modekette Mensing im vergangenen Jahr, der den Namen „Wiese“ weiterführte, hatte die Sinn GmbH, den Geschäftsbetrieb seit dem 1. Januar dieses Jahres übernommen und somit mehr als 30 Arbeitsplätze gesichert. „Der Mietvertrag mit den neuen Partner läuft erst einmal jetzt fünf Jahre. An dem alten Namen festzuhalten, hätte keinen Sinn gemacht“, sagt Freise.

Doch einige Passanten, die am heutigen Vormittag in der Innenstadt unterwegs sind, fragen immer wieder: „Wo ist denn Wiese?“ Darunter auch Luise und Albert Freimann aus Detmold. „Ich bin schon etwas wehmütig, weil wir dort immer gerne eingekauft haben. Für mich war es immer Wiese und wird es auch bleiben “, sagt die 62-jährige Luise Freimann. Die ganze Innenstadt sei ja zugepflastert mit Filialen von Bekleidungsketten, Handyanbietern und Optikern. „Es ist sehr schade, dadurch werden die Fußgängerzonen austauschbar“, meint ihr Ehemann Albert. Ein dritter Passant gesellt sich, in gebührendem Abstand und maskiert, zu uns und stellt sich als Wilhelm Meyer vor. „Ich finde es auch sehr schade, dass der Name Wiese aus der Innenstadt verschwindet. Es war seit meiner Jugendzeit ein Anker, wenn ich nach meinen vielen Reisen den Schriftzug Wiese lesen konnte, war es Heimat“, sagt der 52-jährige Pilot. Die Auswirkungen des Internets und der Corona-Pandemie stellten viele Wirtschaftszweige vor große Herausforderungen. Auch die Modebranche sei unmittelbar betroffen. „Ich kann nur an die Lipper appellieren vor Ort einzukaufen, um den lokalen Einzelhandel zu stärken, denn nur so bleiben die Innenstädte attraktiv und veröden nicht“, sagt Meyer.
Fotos: Erol Kamisli & Bernhard Preuss

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