Tiermediziner kämpfen um das Leben der 43 Hundewelpen

Auch mehrere Tage nach der Befreiungsaktion von 43 Welpen aus der Wohnung eines 26-jährigen Detmolders kämpfen die Tiermediziner um das Leben der Junghunde, die in mehreren Pflegestationen im Kreis Lippe untergebracht wurden. Wie viele von den sechs- bis zwölfwöchigen Tieren, den Kampf überleben, stehe noch in den Sternen, sagen Tierschützer. Die Welpen seien Opfer von Tierhändlern, die sich europaweit organisierten. Auch im aktuellen Detmolder Fall sei davon auszugehen, dass es sich um organisierten Tierhandel handele. Den mutmaßlichen Tierquäler erwarte eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes.
Auch der Deutsche Tierschutzbund weist auf den illegalen Welpenhandel hin. In Kleinanzeigen und im Internet würden viele Hundewelpen angeboten, die aus „Hundefabriken“ aus dem Ausland stammten. Händler würden damit werben, eine große Auswahl verschiedener (Mode-)Rassen – darunter auch die Französische Bulldogge, für die teils bis 3000 Euro verlangt würden- anbieten zu können. Oft würden die jungen Hunde sehr günstig angeboten, aber mittlerweile versuchten sich illegale Hundehändler auch als seriöse Züchter auszugeben und verlangten höhere Preise. Das Leid dieser Welpen sei immens. Sie würden meist viel zu früh von der Mutter getrennt, so dass die für Hunde sehr wichtige Sozialisierung nicht stattfinden könne. Anstatt während der Prägephase zwischen der achten und zwölften Lebenswoche an ihre zukünftigen Hundehalter übergeben zu werden, blieben die Welpen bei den illegalen Tierhändlern in der Regel nur zwei bis vier Wochen bei der Mutter. Die Folge: Massive Verhaltensprobleme der Tiere, zum Teil bis ins Erwachsenenalter, so der Tierschutzbund.

Viele Welpen seien von den langen Transporten geschwächt und kaum überlebensfähig. Meist seien sie weder entwurmt noch mit den lebenswichtigen Impfungen versorgt. Auch fehlten bei der Einfuhr nach Deutschland häufig die Kennzeichnung durch Mikrochip und Begleitpapiere wie der Heimtierausweis – oder die Papiere seien gefälscht. Zuhause beim Käufer angekommen, würden die Welpen schnell schwer krank, viele überlebten trotz intensivmedizinischer Behandlung nicht. Weil die neuen Hundebesitzer die immensen Kosten der nötigen tierärztlichen Behandlung nicht aufbringen könnten, landeten kranke Tiere oft im Tierheim. Deckten Polizei und Veterinäramt einen illegalen Handel auf und beschlagnahmen Tiere, müssten die Tierheime oft viele kranke Hunde gleichzeitig aufnehmen.

„Die Hunde vegetieren in kleinen Zwingern vor sich hin.“

Deutscher Tierschutzbund

Das grausame Geschäft mit den Welpen führe auch zu erheblichem Leid bei den Elterntieren. Die Mutterhündinnen würden oft über Jahre hinweg als „Gebärmaschinen“ missbraucht, den Rüden werden Hormone gespritzt, damit sie immer wieder decken können. Die Hunde vegetieren in kleinen Zwingern vor sich hin – ohne Tageslicht, ohne Kontakt zu anderen Tieren, ohne Umwelteindrücke und -geräusche, ohne menschliche Zuneigung und ohne je eine Pfote auf eine Wiese oder einen Waldboden gesetzt zu haben, kritisieren Tierschützer.
Bilder: Symbolfotos

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