Funkstille: Stadt schweigt nach Kündigung von zwei Pavillons am Kaiser-Wilhelm-Platz

Christiane Laue, Inhaberin des „Reiseladens Albatros“, das in einem Pavillon an der Paulinenstraße – direkt am Detmolder Kaiser-Wilhelm-Platz untergebracht ist – ist enttäuscht und sauer. Nach mehr als 30 Jahren, eingezogen war sie im Januar 1991, erhielt die Detmolder Reiseverkehrskauffrau im Juli dieses Jahres die Kündigung von der Detmolder Stadtverwaltung. Auch die Firma „MY Umzüge“, die in ihrer Nachbarschaft den zweiten Pavillon betrieben hatte, wurde ebenfalls gekündigt – die Geschäftsräume sind schon ausgeräumt. Dagegen darf Friseurin Tanja Malke vom „Malke Haarstudio“, die seit 18 Jahren im dritten Pavillon an der Hermannstraße 16 untergebracht ist, bleiben und soll sogar einen Mietvertragsverlängerung erhalten.

„Ich war im ersten Moment wirklich geschockt, dass nach so langer Zeit einfach die Kündigung ohne weitere Erklärungen ausgesprochen wurde.“

Christiane Laue, Reiseverkehrskauffrau

„Ich war schon sauer, dass die Stadt mir nach so langer Zeit einfach so gekündigt hat“, sagt Reiseverkehrskauffrau Laue. Ihr Vertrag sei von der Stadt fristgerecht zum Jahresende gekündigt worden. Zwei Mitarbeiter von der Stadtverwaltung hätten ihr die schriftliche Kündigung im Juli dieses Jahre persönlich übergeben. „Ich war im ersten Moment wirklich geschockt, dass nach so langer Zeit einfach die Kündigung ohne weitere Erklärungen ausgesprochen wurde“, erinnert sich die 63-Jährige. Doch nach dem sie den ersten Schock verdaut hatte, habe sie sich für neue Geschäftsräume an der Freiligrathstraße entschieden. Dort werde sie ab Herbst ihre Reiseladen weiterführen. Auf die Frage, was nun in den beiden gekündigten Pavillons an der Paulinenstraße entstehen soll, zuckt sie mit den Schultern.

Dritter Pavillon wird nicht gekündigt

Der dritte Pavillon, in dem der Friseursalon von Tanja Malke samt sieben Mitarbeitern untergebracht ist, wurde nicht gekündigt. „Ich war natürlich geschockt und verunsichert, als ich von der Kündigung von Christiane Laue gehört habe“, sagt Friseurmeisterin Malke, die seit 2003 den Pavillon gemietet hat. Sie habe sofort bei der Stadt angerufen, da ihr Mietvertrag Ende kommenden Jahres auslaufe. Per Mail habe die Verwaltung mitgeteilt, dass ihr Vertrag auch über 2022 hinaus verlängert werde. „Natürlich bin ich glücklich, aber ich finde es sehr traurig, dass das Reisebüro nach Jahrzehnten gekündigt wurde muss“, sagt Malke.

Die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Platzes verzögert sich. Voraussichtlich Anfang September soll der Platz nach den Umbauarbeiten für die Bürgerinnen und Bürger eröffnet werden – das geplante Wasserspiel lässt noch auf sich warten,

Im Vorfeld der Kündigung hatte der Detmolder CDU-Stadtverband am 31. Mai dieses Jahres schriftlich eine Sanierung der drei Pavillons und der Ehrendenkmäler am Kaiser-Wilhelm-Platz vorgeschlagen, um die Aufenthaltsdauer und -qualität auf dem neu gestalteten Platz, der eher an einen Park erinnert und immer noch von Bauzäunen umgeben ist, zu erhöhen. Nach Vorstellung der Detmolder Christdemokraten sollten dort ein Café, Eisdiele, Kiosk und eine barrierefreie Toilette vor. „Doch unser Vorschlag wurde abgelehnt, denn anscheinend fehlt der Verwaltung das Geld“, sagt Fraktionsvorsitzender Jörg Thelaner. Die CDU habe in ihrem Schreien die Kündigung des rudimentär genutzten Pavillons der Firma „MY Umzüge“, das eher als Werbefläche genutzt worden sei, vorgeschlagen, habe aber nicht gewusst, dass dem „Reiseladen Albatros“ auch gekündigt worden sei, fügt Thelaner hinzu. Wenn die Verwaltung gegenwärtig und auch im kommenden Jahr eine Sanierung der drei Pavillons ausschließe, verstehe er die Kündigung nicht, da dadurch ja Mieteinnahmen verloren gingen. „Oder es gibt es Plänen zur Umgestaltung der Pavillons, von denen wir bisher nichts wissen?“, fragt Thelaner.
In einem Schreiben vom 16. Juni 2021 hatte die Verwaltung mitgeteilt, dass eine Sanierung der Denkmäler und Pavillons auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz nicht geplant seien, da in den kommenden Jahren noch einige größere Maßnahmen in Detmold anstünden – darunter Lange Straße, Schlossplatz, Standortentwicklung Hornsche Straße sowie weitere Projekte. Es sei nicht zu erwarten, dass neben die Projekten in noch weitere Maßnahmen gefördert würden – zumindest nicht kurzfristig, heißt es in der Antwort der Verwaltung.

Stadt schweigt zu den Kündigungen

Auf die Nachfragen – warum zwei der insgesamt drei Pavillons nun gekündigt worden sind? Und wieso die Stadt in den kommenden Monaten und Jahren auf Mieteinnahmen durch die Pavillons verzichtet und warum eine langjährige Mieterin so sang und klanglos gekündigt wurde – zu diesen Fragen hüllt sich Detmolder Stadtverwaltung in Schweigen. Auf Nachfrage teilte die Pressestelle der Stadt mit, dass die Verwaltung nichts sagen wolle. Zumindest wurde mitgeteilt, dass die Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Platzes, nach einigen Verzögerungen, nun Anfang für September anvisiert sei.
Fotos: Bernhard Preuss/Erol Kamisli

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