„Ich muss sagen, dass ich es schlimmer erwartet habe“

Die ersten vier Wochen des drei Monate – bis zum 18. Oktober – dauernden Verkehrsversuch an der Detmolder Exter- und Krumme Straße sind vorüber. Wir haben Menschen gefragt, die an den Straßen arbeiten und wohnen – das Zwischenfazit ist durchwachsen. Es gibt kritische Stimmen, Befürworter und auch diejenigen, die die Idee gut finden, aber Redebedarf haben. Natürlich sollte auch die Stadt gehört werden, doch leider wurden An- und Nachfrage ignoriert und nicht beantwortet.


Albert Lange (71), Buchhandlung „Kafka & Co.“

Buchhändler Albert Lange hält den Verkehrsversuch für misslungen – vor allem stört ihn der Schilderwald.

Der Verkehrsversuch an der Exter- und Krumme Straße ist für mich?
Lange: Eine veritable Fehlplanung, weil ein Ziel nicht erkennbar ist. Eine vermutete Fahrradstraße samt Lieferverkehr ist paradox.

Mein Zwischenfazit nach vier Wochen ist?
Lange: Eine farbige Verwirrung, bunte Möbel, Sandkasten an der Straße sowie herumirrende Autofahrer und Wendehammer, die ich nicht verstehe. Hinzu kommt eine mangelhafte Einbindung der Anwohner und weiterer Interessensgruppen. Was mich ärgert ist die unklare Zielführung – es wird doch nicht so viel Geld in Hand genommen für einen Versuch? Wenn es eine heimliche Agenda zu dem Projekt gibt, sollte diese transparent gemacht werden.

Für die verbleibenden zwei Monate wünsche ich mir?
Lange: Ein baldiges Ende des Versuchs. Diese Initiative wird ebenso vergessen werden, wie der Lieferservice und die Gutscheininitiative, die ebenfalls sang- und klanglos verschwunden sind.


Ute Diekjobst (59), Inhaberin des Modegeschäfts „Dolce Moda“

Einzelhändlerin Ute Diekjobst wünscht sich eine Fußgängerzone vor ihrer Geschäftstür.

Der Verkehrsversuch an der Exter- und Krumme Straße ist für mich?
Diekjobst: Nicht so berauschend. Da der Verkehr hier nun eingeschränkt ist, kommen nicht mehr viele Kunden. Seit dem Verkehrsprojekt kommen weniger Kunden.

Mein Zwischenfazit nach vier Wochen ist?
Diekjobst: Eher durchwachsen.

Für die verbleibenden zwei Monate wünsche ich mir?
Diekjobst: Ich würde mir grundsätzlich wünschen, dass hier die ganze Straße gesperrt wird und wir eine Fußgängerzone bekommen, damit die Umgebung belebt wird.


Martin Gausepohl (57), Galerist

Für Galerist Martin Gausepohl ist der Verkehrsversuch an der Exter- und Krumme Straße gewöhnungsbedürftig.

Der Verkehrsversuch an der Exter- und Krumme Straße ist für mich?
Gausepohl: Gewöhnungsbedürftig. Wobei ich sagen muss, dass ich es schlimmer erwartet habe. Es gibt ruhige, für Lippe gar flanierende Momente, die mir gefallen. Man hätte den Versuch komplett durchziehen müssen – bis zum unteren Teil der Krummen Straße. Ein Möglichkeit wäre auch gewesen, dass bis 11 Uhr und dann wieder ab 19 Uhr be- und entladen werden darf, damit die betroffenen Straßen nicht ganztägig durchfahren werden – auch gegen die Interessen der Geschäftsleute.

Mein Zwischenfazit nach vier Wochen ist?
Gausepohl: Ausbaufähig. Es liegt in meiner Zustimmung noch derzeit unter 50 Prozent, aber ich gebe den Verkehrsversuch noch nicht ganz auf. Ich bin offen für die Idee. Man könnte was Gutes aus dem Projekt entwickeln, wenn man es vernünftig machen würde, aber es fehlen noch die Ideen.

Für die verbleibenden zwei Monate wünsche ich mir?
Gausepohl: Ein bisschen mehr Hirn. Sachen wie der Sandkasten an der Straße sind überflüssig – bisschen mehr Nachdenken, bisschen mehr mit den Leuten sprechen, dies fehlt überhaupt in Detmold. Kommunikation ist das Zauberwort. Aber die Stadt macht einfach, sie fragt, kommuniziert und spricht nicht mit Anwohnern, Geschäftsleuten sowie Hausbesitzern – und das ist sehr schade. So etwas kenne ich aus dem Ruhrgebiet gar nicht – eine offene Kommunikation vermisse ich nach 20 Jahren in Detmold immer noch. Ich habe immer gedacht, dass ich hier mal tiefe Wurzeln schlagen könnte, aber ich bin immer noch Flachwurzler, weil die Erde hier so lehmig, hart und steinig ist.


Gabi Ackermann (55), Inhaberin Detmolder Fass

Gabi Ackermann kann dem Verkehrsversuch vor ihrer Geschäftstür keine positiven Seiten abgewinnen.

Der Verkehrsversuch an der Exter- und Krumme Straße ist für mich?
Ackermann: Grauenvoll, da die Politik nicht weiß, wie der Handel sein Geld verdient. Unsere Kunden sind verunsichert, weil sie hier nicht durchfahren können. Wir dürfen zwar be- und entladen, aber die Parkplatzsituation ist einfach nur grauenvoll.

Mein Zwischenfazit nach vier Wochen ist?
Ackermann: Kann ich nur wiederholen grauenvoll, weil alle verunsichert sind, es ist das reine Chaos hier. Es ist auch hässlich, was hier in der wunderschönen Straße mit den tollen Häusern passiert. Ich möchte als Mensch in einer Demokratie selbst entscheiden, ob ich mit einem Fahrrad fahre, ein Auto nutze oder zu Fuß gehe.

Für die verbleibenden zwei Monate wünsche ich mir?
Ackermann: Die Politik und die Stadt sollten einsehen, dass der Verkehrsversuch sofort beendet werden muss.


Frank Neuwohner (57), Inhaber des gleichnamigen Fahrradgeschäftes

Fahrradhändler Frank Neuwohner findet den Verkehrsversuch spitze und wünscht sich eine Fortsetzung.

Der Verkehrsversuch an der Exter- und Krumme Straße ist für mich?
Neuwohner: Ich sehe das Projekt positiv, damit dieser parkplatzsuchende Verkehr aus dem Innenstadtbereich weiter herausgeholt wird. Es ist teilweise ein echtes Chaos, nur eine Hin- und Herfahrerei, obwohl definitiv keine Parkplätze frei sind. Und meines Erachtens steht in vier bis fünf Gehminuten um die Innenstadt herum ausreichend Parkraum zur Verfügung.

Mein Zwischenfazit nach vier Wochen ist?
Neuwohner: Der durchlaufende Verkehr aus Richtung Leopoldstraße ist fast komplett eingeschränkt und wir können im unteren Bereich der Krummen Straße überhaupt keine negativen Anmerkungen von unseren Kunden feststellen. Viele empfinden es als positiv, dass 20 bis 30 Prozent weniger Parkplatzsucher – speziell an Samstagen – hier einfach reinfahren, ohne Erfolg wieder hinausfahren und teilweise das totale Chaos verursachen.

Für die verbleibenden zwei Monate wünsche ich mir?
Neuwohner: Eine Fortsetzung des Versuchs!


Michaela Ober (43), Mitinhaberin Altstadthotel und Restaurant Stadtgeflüster

Köchin Michaela Ober kann dem Verkehrsversuch auch positive Seiten abgewinnen.

Der Verkehrsversuch an der Exter- und Krumme Straße ist für mich?
Ober: Ein Versuch, der nicht so ganz geglückt ist. Ich hätte es anders gestaltet, aber wir kommen ja hinterher nochmals alle zusammen und geben unseren Senf dazu. Dass die Straße verkehrsberuhigt ist, finde ich super. Ich hätte daraus eine Einbahnstraße gemacht – Eingang Exter- und Ausgang Krumme Straße -, damit diese Wendehammer weg sind, weil es Knotenpunkte sind.

Mein Zwischenfazit nach vier Wochen ist?
Ober: Wir müssen dringend mit den Verantwortlichen der Stadt reden.

Für die verbleibenden zwei Monate wünsche ich mir?
Ober: Friedliche Anwohner und Geschäftsinhaber, weil das Gezicke niemanden nutzt. Wir können uns alle darüber aufregen, aber wir müssen jetzt bis Oktober durch. Einige regen sich über die vermeintlich verschlechterte Parksituation auf, wobei die Situation vor dem Versuch nicht besser war.


Rüdiger Krentz (61), Anwohner

Conny und Rüdiger Krentz wohnen an der Krumme Straße und finden die Umsetzung des Verkehrsversuchs – ohne Einbindung der Betroffenen – völlig dilettantisch.

Der Verkehrsversuch an der Exter- und Krumme Straßen ist für mich?
Krentz: Dilettantisch geplant. Ein Sandkasten an der Fahrbahn, viel zu enge Wendebereiche, verwirrende Beschilderung und vieles mehr.

Mein Zwischenfazit nach vier Wochen ist?
Krentz: Häufig zugeparkter Wendebereich, keine Nutzung der Aktionsfläche, Attraktivitätsverlust für Anwohner. Die Vorteile des Verkehrsversuchs sind nicht zu erkennen.

Für die verbleibenden zwei Monate wünsche ich mir?
Krentz: Dass der Versuch sofort abgebrochen wird.

Fotos: Bernhard Preuss

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